Auf den Punkt gebracht: Höhere Förderung für energetische Dachsanierung.

Was Planer, Energieberater und Fachhandwerker jetzt wissen sollten.

Um Hausbesitzer zu motivieren, gezielt in die Energieeffizienz ihres Gebäudes zu investieren, hat das Bundeskabinett den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) verabschiedet. Zu den geplanten Sofortmaßnahmen gehört eine höhere Förderung für die energetische Gebäudesanierung. Für eine Dachsanierung bietet z. B. das KfW-Förderprogramm "Energieeffizient Sanieren" Investitionszuschüsse und attraktive Kreditkonditionen. Energieberater wissen, worauf zu achten ist, um die Bedingungen für die Nutzung von Fördermitteln zu erfüllen. Deshalb gewährt die KfW bei Förderzusage für eine Investition einen verbindlichen Anspruch auf einen Baubegleitungszuschuss. Tobias Schellenberger, Fachingenieur und Geschäftsführer des IVPU – Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V., gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Qualifizierte und unabhängige Energieberater sind in der „Energieeffizienz-Expertenliste“ für Förderprogramme des Bundes gelistet. Wichtig ist eine enge Abstimmung des Energieberaters mit dem Dachhandwerker.

Vor einer Dachsanierung kann der Energieberater prüfen, welche Maßnahmen gefördert werden. Mit welchen KfW-Zuschüssen kann ein Hausbesitzer rechnen?

Der Zuschuss der KfW für Einzelmaßnahmen, z. B. die Dämmung von Dachflächen, beträgt zehn Prozent der förderfähigen Kosten, wobei eine Obergrenze von 5.000 Euro je sanierter Wohneinheit gilt. Hinzu kommt, dass 50 Prozent der Kosten für eine Fachplanung und Baubegleitung bezuschusst werden können, bis maximal 4.000 Euro. Zu den geförderten Beratungsmaßnahmen gehört die Baubegleitung von der Planung bis zur Abnahme. Der Energieberater übernimmt in Absprache mit dem Dachhandwerker die Baustellenkoordination, erstellt ein Abnahmeprotokoll sowie einen Gebäudeenergieausweises. Für die Zuschüsse gilt jedoch: Ohne Energieberater kein Zuschussantrag!

Die Dachsanierung kann beginnen, die Termine sind mit den Handwerkern abgestimmt. Wie sieht die weitere Planung aus, damit der Hausbesitzer von Zuschüssen profitieren kann?

Die Förderung muss in jedem Fall vor Beginn der Sanierung beantragt werden, sonst kann der Zuschuss verfallen. Der Energieberater muss zum Zeitpunkt der Antragstellung in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes eingetragen sein. Eine „Vor-Ort“-Beratung kann z. B. auch von einem Dachhandwerker durchgeführt werden, wenn er entsprechende Ausbildungskurse absolviert hat und in der Liste für Energieeffizienz-Experten eingetragen ist. Die „Vor-Ort“-Beratung wird über die BAFA gefördert, wenn ein KfW-Effizienzhausstandard oder aufeinander abgestimmte Einzelmaßnahmen angestrebt werden. Mehr Informationen zur „Vor-Ort“-Beratung unter www.bafa.de

Wird von außen, auf die Sparren gedämmt, ist die gesamte Dachkonstruktion vollständig eingehüllt, ohne Wärmebrücken.

Im ersten Beratungsschritt wird der Zustand und U-Wert des Daches ermittelt und ein Ablaufplan erstellt: Erhält das Haus einen komplett neuen Dachstuhl oder soll die Dämmung verbessert und eine neue Dacheindeckung aufgebracht werden? Sind Dachfenster eingeplant und wird an deren Verschattung gedacht? Anschließend klärt der Energieberater mit dem Hausbesitzer, welche Anträge gestellt werden müssen. Liegt der Zuwendungsbescheid vor, können die Arbeiten an der Dachsanierung beginnen. Sind mehrere Gewerke beteiligt, gehört ein Gespräch mit allen Handwerkern dazu. Ist die Luftdichtheit des Daches hergestellt, wird in der Regel eine sogenannte "Blower Door"-Messung durchgeführt, bevor die Dämmung dazu kommt. Nach Abschluss der Dachsanierung bestätigt der Energieberater die fachgerechte Ausführung und die Förderfähigkeit der energetischen Maßnahmen im "Online-Antrag" sowie im "Verwendungsnachweis". Dazu muss der Hausbesitzer auch die Handwerkerrechnungen vorlegen.

Im KfW-Merkblatt mit den Technischen Mindestanforderungen zum Investitionszuschuss (Programm 430) wird für die Dämmung von Schrägdächern und dazugehörigen Kehlbalkenlagen ein U-Wert von 0,14 W(m²·K) gefordert. Was bedeutet das für die Dämmung?

Diese Anforderungen an die gesamte Dämmleistung des Daches sind anspruchsvoll. Mit einem Hochleistungsdämmstoff lassen sich die Vorgaben vernünftig erfüllen. Ist das Schräg- oder Steildach nicht gedämmt, reichen beispielsweise 16 Zentimeter PU-Dämmung der Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) 023 auf den Sparren. Wurde in der Vergangenheit bereits zwischen den Sparren gedämmt, kann die alte Zwischensparrendämmung verbleiben, auf die Sparren wird vollflächig eine Luftdichtheitsschicht verlegt und darauf dann eine PU-Aufsparrendämmung. Eine aufkaschierte Unterdeckbahn auf den Dämmelementen gewährleistet Regensicherheit und Winddichtheit. Das ist praktisch und spart dem Dachhandwerker einen Arbeitsgang. Einen sicheren Tauwasserschutz nach DIN 4108-3 bietet z. B. folgende PU-Sanierungslösung:

Aufbau mit einem U-Wert = 0,14 W/(m²·K)

Das entspricht dem Standard KfW-Effizienzhaus 55 und ermöglicht eine KfW-Einzelmaßnahmenförderung

1. Dachdeckung
2. Konterlattung / Belüftungsebene
3. PU-Aufsparrendämmelement 14 cm (WLS 026 ) bzw. 12 cm (WLS 023) mit werkseitig aufkaschierter Unterdeckbahn
4. luftdichte, diffusionshemmende Schicht (Dampfbremse)
5. Sparrenebene mit 8 cm bzw. 10 cm Faserdämmung (Bestand)
6. raumseitige Bekleidung (Bestand)

Um die Dämmleistung des Bauteils bestimmen zu können, muss der Fachmann eine Reihe von Parametern beachten und richtig planen. Auf welche Praxishilfen kann er zurückgreifen?

Da gibt es beispielsweise Informationen von neutralen Stellen wie Verbänden, Verbraucherschutzzentralen oder der Deutschen Energie-Agentur dena. Der IVPU bietet auf www.daemmt-besser.de/steildach zusätzliche Planungshilfen an, die für Sanierer und Energieberater gleichermaßen hilfreich sind. Eine neutrale Fördermitteldatenbank des BINE Informationsdienst des FIZ Karlsruhe informiert über aktuelle Förderprogramme der Städte, Landkreise, Gemeinden, Energieversorger, Bundesländer und des Bundes.

Vor Beginn der Dachsanierung muss abgeklärt werden, ob eine Einzelmaßnahme oder eine Komplettsanierung des Hauses geplant ist.

Checkliste zur Dachsanierung: 
Planen, Baubegleitung aussuchen, Zuschuss beantragen

1.
Ist eine Einzelmaßnahme oder eine Komplettsanierung des Hauses geplant? Wo 
können Fördermittel für einen Investitionszuschuss für die Dachsanierung beantragt werden? Ist die Kombination mit anderen Förderprogrammen möglich? Welche technischen Mindestanforderungen gelten, welche Nachweise werden benötigt? 


2.
Kann ein Zuschuss für eine zur „Vor-Ort“-Beratung beantragt werden? 


3.
Wie soll das Dach saniert werden? Soll es ausgebaut werden? Ist ein komplett 
neuer Dachstuhl geplant oder soll die Dämmung verbessert und eine neue 
Dacheindeckung aufgebracht werden? Sind Dachfenster eingeplant und wird an deren Verschattung gedacht?

4.
Ist der Energieberater für die geplante Maßnahme qualifiziert - etwa bei 
Angebotsauswertung, Kontrolle der Bauausführung sowie Abnahme und Bewertung 
der Sanierung? Kann die Baubegleitung bezuschusst werden? 
Energieeffizienz-Experten Datenbank, 
Berateranerkennung für die „Vor-Ort“-Beratung

5.
In welchem Zustand befindet sich die alte Dachdämmung? Welche neue Dämmung 
 kommt in Frage oder bietet sich eine Kombilösung an? Wo gibt es Praxishilfen und 
 weiterführendes Informationsmaterial?