Die Energieeinsparverordnung (EnEV) - was ändert sich bei Wohngebäuden 2016?

Betroffene Bauvorhaben, Senkung des maximalen Primärenergiebedarfs, besserer Wärmeschutz der Gebäudehülle

Vor dreizehn Jahren trat die erste Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft. Sie ist Teil des deutschen Baurechts und legt fest, wie ein Gebäude energieeffizient geplant, gebaut oder modernisiert wird. Die EnEV bewertet das Gebäude als ganzheitliches System. Das bedeutet, dass neben dem baulichen Wärmeschutz auch die Anlagentechnik (Heizung) und die Warmwasserbereitung in die Bilanzierung der Energiegewinne und -verluste einbezogen werden.

Mit der EnEV 2014 wurde die europäische Vorgabe erfüllt, dass Gebäude nur noch einen minimalen Energiebedarf haben sollen, der nach Möglichkeit durch erneuerbare Quellen gedeckt werden soll. Ab 2021 sollen alle neuen Gebäude als „Niedrigstenergiegebäude“ errichtet werden. Für öffentliche Gebäude gilt diese Verpflichtung bereits ab 2019.

Was heißt das konkret? Was kommt auf den privaten Bauherren zu und mit welchen Neuerungen muss er bei seinem neu zu bauenden Wohngebäude rechnen? Lesen Sie hier welche Bauvorhaben betroffen sind und wie sich die energetischen Anforderungen ab 2016 ändern.

Drei Neuerungen ab 1. Januar 2016

Bauvorhaben

Betroffen sind Bauvorhaben, für die der Bauherr ab 01.01.2016 den Bauantrag oder die Bauanzeige einreicht. Der Bauherr kann auch verlangen, dass sein Bauvorhaben nach dem „EnEV 2016 Standard“ beurteilt wird.

Primärenergiebedarf
Wer ein neues Wohnhaus bauen möchte, muss darauf achten, dass der berechnete, jährliche Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Kühlung den erlaubten Höchstwert nicht überschreitet. Der Planer berechnet den jährlichen Primärenergiebedarf für den Neubau anhand eines virtuellen Referenzgebäudes. Dabei hat das Referenzwohngebäude die gleiche Geometrie, Baumaße, Nutzfläche und Ausrichtung wie das geplante Wohnhaus. Der erlaubte Jahres-Primärenergiebedarf sinkt ab 01.01.2016 um 25 Prozent.

Wärmeschutz

Der Wärmeschutz der Gebäudehülle wird bei neuen Wohngebäuden ab 01.01.2016 um etwa 20 Prozent verbessert.



Außerdem sollten Bauherren und Sanierer beachten, dass in einem Altbau die oberste Geschossdecke (also der Dachboden) den Mindestwärmeschutz erfüllen muss. Unter Mindestwärmeschutz versteht man Maßnahmen, die Bauschäden verhindern und z. B. Tauwasser- und Schimmelpilzfreiheit gewähren. Ist das darüber liegende Dach nicht gedämmt, muss die oberste Geschossdecke einen U-Wert von 0,24 W/(m²·K) oder besser aufweisen. Wird dieser U-Wert nicht erreicht, müssen Maßnahmen zur Dämmung des Dachbodens ergriffen werden.
 Für den Gebäudebestand sind darüber hinaus keine Verschärfungen vorgesehen.

Fachchinesisch? Nein, Bauphysik! Wir erklären wichtige Begriffe aus der EnEV

  • Solange die Innenräume eines Gebäudes eine höhere Temperatur aufweisen als die Außenluft oder das Erdreich, wird Wärme durch die Gebäudehülle von innen nach außen geleitet (transmittiert). Diese Wärmeleitung führt zu einem Transmissionswärmeverlust des Gebäudes. Transmissionswärmeverluste treten insbesondere bei Gebäuden ohne Wärmedämmung auf.
  • Der Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert) beschreibt die Wärmedämmwirkung eines Bauteils oder einer Bauteilschicht. Es gilt: Je größer der R-Wert eines Bauteils, desto größer seine Wärmedämmwirkung.
  • Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) kennzeichnet die Transmissionswärmeverluste eines Bauteils. Es gilt: Je kleiner der U-Wert, desto besser der Wärmeschutz.
  • Jedes Heizungssystem weist Verluste bei Förderung, Aufbereitung Umwandlung, Transport und Verteilung des Energieträgers auf. Die Primärenergie bezieht die Energieverluste dieser vorgelagerten Prozesskette mit ein. Die Endenergie ist die am Ende der Prozesskette übrig gebliebene Menge an Energie, welche der Endverbraucher vom Energielieferanten bezieht und bezahlt. 
Im Energiekonzept der Bundesregierung wird auf den Primärenergieverbrauch Bezug genommen. Bei Raumwärme und Warmwasserbereitung spielt der Endenergieverbrauch eine wichtige Rolle.

Weitere Informationen

Das Internetportal enev-online.com bietet

- einen Überblick wie sich die energetischen Anforderungen an neue Wohngebäude ab 2016 ändern:
www.enev-online.com/enev_praxishilfen/vergleich_enev_2016_enev_2014_neubau_wohnbau_15.04.06.htm

- Abkürzungen zu Energieangaben in Immobilienanzeigen in kommerziellen Medien:
www.enev-online.com/enev_praxishilfen/141104_energieangaben_immobilienanzeigen_abkuerzungen.htm

- Oberste Bauaufsichtsbehörden der Bundesländer können Fragen zur Anwendung der EnEV und des EEWärmeG beantworten. Hier finden Sie eine Liste der Behörden:

www.enev-online.de/enev/enev_vollzug_anwendung_bundeslaender.htm