Das Wort zum Montag: Wärmebrücken
Fachchinesisch? Nein, Bauphysik!

Bauphysik beschreibt den Austausch von Wärme und Feuchte in Bauteilen und Gebäuden. Da unsere Ansprüche an Feuchteschutz und Wohnhygiene, an nachhaltiges Bauen und behagliches Wohnen gestiegen sind, rückt der Wärmeschutz von Gebäuden immer mehr in den Vordergrund. In unserer Rubrik „Das Wort zum Montag“ nehmen wir bauphysikalische Überlegungen unter die Lupe und erklären wichtige Begriffe.

Heute: Was bedeutet „Wärmebrücke“?

Wer sich mit Bauen oder Sanieren auseinandersetzt, ist sicher schon einmal über diesen Begriff gestolpert:

  • Wärmebrücke

Für eine Definition von Wärmebrücken gilt:
Wärmebrücken (fälschlicherweise oft auch Kältebrücken genannt) sind örtlich begrenzte Schwachstellen einer Baukonstruktion, durch die mehr Wärme abfließen kann als durch andere, gut gedämmte Flächen. Wärmebrücken bewirken Wärmeverluste, niedrigere Oberflächentemperaturen und verursachen letztendlich einen erhöhten Heizwärmebedarf. Sie können unter Umständen auch zu Bauschäden führen.

Nach Energieeinsparverordnung § 7 „Mindestwärmeschutz, Wärmebrücken“ sind Gebäude so auszuführen, dass der Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahres-Heizwärmebedarf so gering wie möglich ist. Der Einfluss unvermeidlicher Wärmebrücken wird über das Produkt von Wärmebrückenkorrekturbeiwert (ΔUWB-Wert) und wärmetauschender Hüllfläche (A) berücksichtigt.

An folgenden Bauteilen des Gebäudes finden sich Wärmebrücken am häufigsten:

  • Fensteranschlüsse,
  • Innenwandanschlüsse an Außenwand, Boden oder Decke,
  • Bodenplatte an Außenwand und Fundamenten,
  • Deckenplatten in Außenwände einbindend,
  • Innen- und Außenecken von Fassaden,
  • Anschlüsse auskragender Bauteile, wie z. B. Balkone oder Vordächer,
  • Eckausbildung von Außenwand an Decke und Dach,
  • Durchdringungspunkte von Strom-, Gas- oder Wasserleitungen

Wer's ganz genau wissen möchte

Klar ist, Wärmebrücken verursachen einen erhöhten Heizwärmebedarf und können unter Umständen auch zu Bauschäden führen.

In der Baupraxis können Wärmebrücken verschiedene Ursachen haben:
Materialbedingte Wärmebrücken entstehen bei zusammengesetzten Bauteilen, wie z. B. einer Fachwerkwand oder einem Steildach. In diesen Konstruktionen tritt ein Materialwechsel auf. Im Steildach ist es z. B. ein Holzsparren, der an ein gedämmtes Gefach grenzt. Da die Baustoffe unterschiedliche Eigenschaften, wie Rohdichte und Wärmeleitfähigkeit besitzen, ist auch der Wärmestrom nicht homogen. Charakteristisch ist, dass das Bauteil mit dem geringeren Wärmedurchlasswiderstand - in diesem Fall der Sparren - raumseitig eine niedrigere Oberflächentemperatur aufweist.

Konstruktive Wärmebrücken entstehen durch Querschnittsveränderungen in Bauteilen und können als Störungen der thermischen Hülle gesehen werden. Erstrecken sich die Wärmebrücken auf eine bestimmte Länge der Gebäudehülle, wie z. B. bei Balkonanschlüssen, deren Deckenplatte durch die Wand läuft oder bei Fensterlaibungen, spricht man von linienförmige Wärmebrücken. Punktförmige Wärmebrücken sind Störungen der thermischen Hülle, die lokal so stark begrenzt sind, dass sie nur punktuell auftreten, wie z. B. bei Dübeln, dämmschichtdurchstoßenden Stützen oder Ankern von vorgehängten Fassaden.

Geometrische Wärmebrücken entstehen, wenn die wärmeabgebende Oberfläche sehr viel größer ist als die wärmeaufnehmende Oberfläche. Typische Beispiele hierfür sind Gebäudeecken, also Ecken von Wänden zu Boden oder Decke.

Einfache Regeln:

  • Wärmebrücken verursachen einen erhöhten Heizwärmebedarf und können unter Umständen auch zu Bauschäden führen. Die Folgen sind:

    Ein erhöhter Heizenergieverbrauch: Wärmebrücken erhöhen den Heizwärmebedarf, da zum Ausgleich der geringeren Oberflächentemperatur an den Wärmebrücken eine höhere 
Raumlufttemperatur erforderlich ist.


    Die Beeinträchtigung der Behaglichkeit: Große Wärmebrücken führen häufig zu Zugerscheinungen, die das Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.

    Die Gefahr von Schimmelbildung: Unkontrollierter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen sowie „kalte“ Wände an Stellen mit Wärmebrücken können zur Kondensation der Luftfeuchtigkeit führen, und die Gefahr von Schimmelbildung steigt.

    Die Gefährdung der Bausubstanz: Bei längerer Durchfeuchtung durch auftretendes Kondensat kann es zu Bauschäden kommen.
  • Um den Bedarf an Heizwärme eines Gebäudes zu minimieren, muss man die Wärmebrücken soweit möglich durch eine fachgerechte Dämmung und eine korrekte Ausführung der Baukonstruktion vermeiden oder in der Wirkung reduzieren.
  • Zu der energetischen Planung einer Gebäudehülle gehört ein Wärmebrückenkatalog, der die vorhersehbaren Wärmebrücken auflistet und ihre Wirkung quantifiziert.
  • Mithilfe der Thermografie, also der Erfassung von Wärmestrahlung, die als sichtbares Bild dargestellt werden, können viele Wärmebrücken erfasst werden.

Nach Energieeinsparverordnung (EnEV) stehen für die Berechnung der energetischen Verluste von Wärmebrücken drei Varianten zur Wahl:

  • detaillierter Einzelnachweis
  • ein pauschaler Wärmebrückenzuschlag von 0,10 W/(m²·K) auf die U-Werte aller Bauteile
  • bei Berücksichtigung von Details nach DIN 4108 Beiblatt 2 im Neubau eine Reduzierung des Wärmebrückenzuschlags auf 0,05 W/(m²·K)
  • für eine Bewertung im Altbaubestand gilt der pauschale Wärmebrückenzuschlag von 0,10 W/(m²·K) auf die U-Werte aller Bauteile. Zusätzliche Verluste können mit einem Wärmebrückenprogramm berechnet werden. Für eine grobe Abschätzung sind im Wärmebrückenkatalog die häufigsten Standardsituationen abgebildet.

Informationsquelle im Internet: enev-online.com: EnEV 2014 - Mindestwärmeschutz und Wärmebrücken

Das Passivhaus Institut unterstützt Planer, indem es energetisch hochwertige Bauprodukte und Lösungen untersucht und diese als „Zertifizierte Passivhaus Komponente“ klassifiziert. Dies gilt z. B. wenn der Wärmeverlustkoeffizient ψ einer linearen Wärmebrücke kleiner oder gleich 0,01 W/(m·K) ist.

Informationsquelle im Internet: passipedia.de: Wärmebrückenvermeidung

Informationen im Internet:

RP-Energie-Lexikon - www.energie-lexikon.info

Wärmebrückenkatalog von ZUB Systems oder Beuth Verlag

BauWissenOnline - www.bauwion.de/begriffe

Baunetzwissen.de - Bauphysik