Das Wort zum Montag: Luftdichtheit und Winddichtung
Fachchinesisch? Nein, Bauphysik!

Bauphysik beschreibt den Austausch von Wärme und Feuchte in Bauteilen und Gebäuden. Da unsere Ansprüche an Feuchteschutz und Wohnhygiene, an nachhaltiges Bauen und behagliches Wohnen gestiegen sind, rückt der Wärmeschutz von Gebäuden immer mehr in den Vordergrund. In unserer Rubrik „Das Wort zum Montag“ nehmen wir bauphysikalische Überlegungen unter die Lupe und erklären wichtige Begriffe.

Heute: Was bedeuten „Luftdichtheit und Winddichtung“?

Wer sich mit Bauen oder Sanieren auseinandersetzt, ist sicher schon einmal über diese Begriffe gestolpert:

  • Luftdichtheit
  • Winddichtung

Für ein besseres Verständnis der beiden Begriffe Luft- und Winddichtheit gilt:
Die Luft- und Winddichtheit der Gebäudehülle vermindert Transmissionswärmeverluste, also den Verlust an Wärmeenergie, die von beheizten Räumen durch Fugen oder undichte Anschlüsse in der Gebäudehülle nach außen geleitet wird und damit "verloren" geht. Außerdem verhindert eine luftdichte Ausführung, dass Feuchtigkeit über Fugen und Lücken in Bauteile diffundiert.

Warme Luft kann deutlich mehr Wasser aufnehmen als kältere Luft. Wenn die warme, feuchte Raumluft in kalte Außenbauteile gelangt, kühlt sie ab. Dabei kondensiert ein Teil der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Es bildet sich Tauwasser, das in vielen Fällen nicht mehr austrocknen kann. Das Bauteil wird feucht und es entstehen Bauschäden.

Am Beispiel „Steildach“ erklären wir die Funktion der beiden Maßnahmen: Die Luftdichtheitsschicht in Form einer Dampfsperre oder -bremse befindet sich raumseitig. Sie verhindert, dass warme und feuchte Luft in die Konstruktion eindringt oder die Konstruktion für Luftströmungen durchlässig ist.

Die Winddichtung ist eine Zusatzmaßnahme zur Regensicherung z. B. in Form einer Unterspannbahn, Unterdeckbahn oder festes Unterdach und wird von außen, d. h. auf der kalten Seite der Konstruktion angebracht. Die Winddichtung schützt die Dämmung vor Unterströmung durch Kaltluft. Schlagregen und Schnee werden abgeleitet.

Bei einer dichten Gebäudehülle entsteht keine Zugluft, Bauschäden werden vermieden und die Räume haben ein behagliches Raumklima.

Die Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit eines Gebäudes wird mithilfe des Differenzdruckverfahrens (Blower-Door-Messung) festgestellt. Maßeinheit ist die Luftwechselrate n, definiert als der Quotient aus Außenluftvolumenstrom und Raumluftvolumen. Die Zahl mit der Einheit 1/h oder h⁻¹ (pro Stunde) gibt an, wie oft das beheizte Raumluftvolumen in einer Stunde gegen Außenluft ausgetauscht werden muss.

Wer's ganz genau wissen möchte

Klar ist, durch Raumluft, die über undichte Fugen oder Anschlüsse in der Gebäudehülle nach außen gelangt, geht Wärme verloren. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie verschiedene Teile der Norm DIN 4108 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden“ schreiben vor, dass die Gebäudehülle - also Dach, Wände und Decken - dauerhaft luftdicht ausgeführt werden muss. Im Hinblick auf die Gesundheit der Bewohner und die Beheizung des Gebäudes muss auch ein Mindestluftwechsel sichergestellt werden. Die Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit wird mit einem Differenzdruckverfahren (Blower-Door-Messung) gemessen. Mit Hilfe eines regelbaren Ventilators, der luftdicht in die Öffnung einer Außentür eingebaut ist, wird eine Druckdifferenz zwischen dem Gebäudeinneren und der Außenluft aufgebaut. Fenster und Türen müssen während der Messung geschlossen sein. Je mehr Schwachstellen in der Gebäudehülle bzw. in der Luftdichtheitsschicht vorhanden sind, desto mehr Leistung muss der Blower-Door-Ventilator aufbringen, um den Unterdruck oder Überdruck konstant zu halten. Der gemessene Luftstrom gibt dann Auskunft über die Größe der Undichtheiten. Maßeinheit ist die Luftwechselrate n50. Sie gibt an, wie oft pro Stunde bei einem Prüfdruck von 50 Pascal (Pa) das beheizte Raumluftvolumen gegen Außenluft ausgetauscht werden muss.

Nach sorgfältiger Planung der Luftdichtheit bleibt die Frage, ob dies der Wohnbehaglichkeit förderlich ist. Wo bleibt die im Gebäude entstehende Feuchtigkeit? Wohn- und Arbeitsräume müssen ausreichend belüftet werden, d. h. es muss regelmäßig frische Luft zugeführt und die “verbrauchte” Luft abgeführt werden. Dies darf jedoch nicht durch einen unkontrollierten Luftaustausch über Fugen in der Konstruktion erfolgen, sondern muss durch gezielte Raumlüftung sichergestellt werden. Der Heizenergieverlust kann bei einer Fensterlüftung z. B. durch Stoßlüftung (das Öffnen mehrerer Fenster) oder Querlüftung (das Öffnen von Fenstern an gegenüberliegenden Seiten des Raums) minimiert werden. Man verliert zwar die Wärme der Luft, vermeidet aber ein Auskühlen der Raumwände. Lüftungswärmeverluste können durch einen kontrollierten Luftaustausch, d. h. mit Lüftungsanlagen und einer Wärmerückgewinnung vermieden werden.

Muss ein Haus „atmen“? Klare Antwort: Nein! Bereits 1928 wurde dieser Mythos widerlegt. Der Bauphysiker Erwin Raisch konnte in umfangreichen Versuchen nachweisen, dass ein relevanter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen von Fenstern und Türen, aber nicht durch verputzte Wände erfolgen kann. Er stellte fest, dass der Luftdurchgang pro Stunde durch ein einziges Schlüsselloch in einem Zimmer 50-mal größer ist als durch einen Quadratmeter Außenwand.

Einfache Regeln:

  • Die Luft- und Winddichtheit der Gebäudehülle vermindert Transmissionswärmeverluste, also den Verlust an Wärmeenergie, die von beheizten Räumen durch Fugen oder undichte Anschlüsse in der Gebäudehülle nach außen geleitet wird und damit "verloren" geht.
  • Die Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie verschiedene Teile der Norm DIN 4108 „Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden“ schreiben vor, dass die Gebäudehülle - also alle wärmeübertragenden Außenflächen in den Bereichen von Fugen, Anschlüssen und Durchdringungen - dauerhaft luftdicht ausgeführt werden muss.
  • Wärmedämm-Maßnahmen bewirken nicht automatisch die Luftdichtheit einer Gebäudehülle. Deshalb ist der Ausdruck „Abdichtung durch Wärmedämmung“ technisch gesehen falsch.
  • Wohn- und Arbeitsräume müssen ausreichend belüftet werden, d. h. es muss regelmäßig frische Luft zugeführt und die “verbrauchte” Luft abgeführt werden. Damit wird eine gute Luftqualität gewährleistet und Feuchteeintrag in die Konstruktions- oder Dämmebene bzw. Schimmelbildung vermieden.
  • Frischluft wird durch eine Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage, evtl. mit Wärmerückgewinnung, zugeführt. Undichtigkeiten tragen nicht zur notwendigen Belüftung bei.
  • Die Luftdichtheit bzw. Luftdurchlässigkeit eines Gebäudes wird mithilfe des Differenzdruckverfahrens (Blower-Door-Messung) festgestellt.

Informationen im Internet:

Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e. V. - www.flib.de/luftdichtheit.php

BINE Informationsdienst: Behagliches Wohnklima durch Lüftung

RP-Energie-Lexikon - www.energie-lexikon.info

BauWissenOnline - www.bauwion.de/begriffe

Baunetzwissen.de - Bauphysik