Das Wort zum Montag: Wärmeschutz
Fachchinesisch? Nein, Bauphysik!

Bauphysik beschreibt den Austausch von Wärme und Feuchte in Bauteilen und Gebäuden. Da unsere Ansprüche an Feuchteschutz und Wohnhygiene, an nachhaltiges Bauen und behagliches Wohnen gestiegen sind, rückt der Wärmeschutz von Gebäuden immer mehr in den Vordergrund. In unserer Rubrik „Das Wort zum Montag“ nehmen wir bauphysikalische Überlegungen unter die Lupe und erklären wichtige Begriffe.

Heute: Was bedeutet eigentlich „Wärmeschutz“?

In Häusern mit unzureichendem Wärmeschutz entweicht ein Großteil der Wärme über die Gebäudehülle, d. h. durch das Dach, die Außenwände sowie Fenster und Türen. Es findet eine sogenannte Wärmeleitung statt, und zwar immer von warm nach kalt. Denn: Solange die Innenräume eines Gebäudes eine höhere Temperatur aufweisen als die Außenluft oder das Erdreich, wird Wärme durch die Gebäudehülle von innen nach außen geleitet (transmittiert). Wärmeverluste treten insbesondere bei Gebäuden ohne Wärmedämmung auf. Die Planung und Konstruktion eines Gebäudes muss also die heutigen Anforderungen des baulichen Wärmeschutzes erfüllen. Dazu gehören:

  • der winterliche Wärmeschutz,
  • der sommerliche Wärmeschutz,
  • der hygienische Wärmeschutz, um Tauwasser- und Schimmelpilzfreiheit sowie ein hygienisches Raumklima zu gewährleisten,
  • die Anforderung an die Luftdichtheit der Gebäudehülle,
  • die Vermeidung von Wärmebrücken.

Ziel ist, dass insbesondere in der kalten Jahreszeit durch die Gebäudehülle möglichst wenig Wärme verloren geht. Wärmeverluste lassen sich durch einen lückenlosen Wärmeschutz erheblich verringern. Die Grundlage für die Gewährleistung eines ausreichenden baulichen Wärmeschutzes bilden die länderspezifischen Regelungen der Landesbauordnungen.

Wann brauchen wir im Gebäude einen Wärmeschutz?

Im Winter soll möglichst wenig Wärme über die Gebäudehülle nach außen abfließen, um die Heizenergieverluste gering zu halten. Im Sommer gilt es, die Räume vor Sommerhitze zu schützen und dafür zu sorgen, dass möglichst wenig Wärme von außen nach innen eindringt. Die Aufgabe der Wärmedämmung ist es, den Wärmefluss durch die Bauteile einzudämmen und den sogenannten Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) niedrig zu halten.

Wer's ganz genau wissen möchte

Die Planung und Konstruktion eines Gebäudes muss die heutigen Anforderungen des baulichen Wärmeschutzes erfüllen und so ausgelegt sein, dass durch die Gebäudehülle möglichst wenig Wärme verloren geht.

Welcher Zusammenhang besteht nun zwischen dem baulichen Wärmeschutz und dem Energiesparen? Mit Einführung der Wärmeschutzverordnung (WSchVO) von 1977 werden Anforderungen an die wärmetechnische Qualität der Gebäudehülle gestellt. Bei der Planung von Gebäuden soll der Wärmedurchgang begrenzt und Vorgaben an den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) bei Bauteilen müssen eingehalten werden. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) aus dem Jahr 2002 verknüpft die bautechnischen Anforderungen mit der Anlagentechnik. Das Gebäude und dessen Versorgung mit Energie werden erstmals ganzheitlich bewertet. Die Einsparung der Primärenergie, das Reduzieren von Kohlendioxid CO2 und das Schonen von Ressourcen (Öl, Gas und Kohle) stehen im Fokus. Der energiesparende Wärmeschutz gewinnt an Bedeutung und umfasst Maßnahmen, die den Heizenergiebedarf in einem Gebäude reduzieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Gebäudeplanung ist, die Bausubstanz zu schützen und Baumängeln vorzubeugen. Deshalb müssen Wärmeschutz und Feuchteschutz im Zusammenhang gesehen werden. Unter Mindestwärmeschutz bzw. hygienischen Wärmeschutz nach der Norm DIN 4108-2 fallen Maßnahmen, die Tauwasser- und Schimmelpilzfreiheit sowie ein hygienisches Raumklima gewährleisten. Die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes müssen an jeder Stelle des Gebäudes nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Zu den heutigen Anforderungen des baulichen Wärmeschutzes gehört inzwischen auch die Berücksichtigung unterschiedlicher klimatischer Bedingungen. Ziel ist ein ganzjährig angenehmes Raumklima. Im Winter soll möglichst wenig Wärme nach außen abfließen, um die Heizenergieverluste gering zu halten. Eine Dämmung sorgt dafür, dass Wandinnenflächen, Decken, Böden und Dachflächen während der Heizperiode warm bleiben und Wärme nach innen abstrahlen. Die Kälte bleibt draußen und die Wärme drinnen.

Im Sommer gilt es, die Räume vor Sommerhitze zu schützen und dafür zu sorgen, dass möglichst wenig Wärme von außen nach innen eindringt. So hält z. B. ein außen liegender Sonnenschutz die direkte Sonneneinstrahlung wirksam ab. Schwere Innenbauteile wie massive Wände und Decken speichern tagsüber die Raumwärme. Durch Lüften während der Nacht, insbesondere in den frühen Morgenstunden, wird die in den Bauteilen gespeicherte Wärme wieder abgeführt.

Die Aufgabe der Wärmedämmung ist es, den Wärmefluss einzudämmen und den sogenannten Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) niedrig zu halten. Denn: je besser die Dämmung, je niedriger der U-Wert, desto weniger Wärme dringt an heißen Sommertagen in den Dachraum ein. Eine gute Dämmung verhindert, dass im Winter Wärme durch Ritzen und Fugen entweicht und Wände und Böden stark abkühlen. Sie sorgt dafür, dass kostbare Heizwärme in den Räumen bleibt.

Einfache Regeln rund um den Wärmeschutz:

  • Wohnbehaglichkeit und Wärmeschutz: Die Dämmung sorgt dafür, dass Wandinnenflächen, Decken, Böden und Dachflächen während der Heizperiode warm bleiben und Wärme nach innen abstrahlen. Mit einer hochwertigen und fachgerecht ausgeführten Wärmedämmung bleibt die Kälte draußen und die Wärme drinnen.
  • Hygienischer Wärmeschutz: Schimmel gedeiht, wo es feucht ist. So sind nicht gedämmte Wände im Winter innen ziemlich kalt. Wärmebrücken sind ebenfalls ein Problem. Feuchtwarme Raumluft kühlt daran ab, es bildet sich Tauwasser. Ab einer Oberflächenfeuchte von 80 Prozent wächst dort Schimmel. Ist eine Wand auf der Außenseite gedämmt, kühlt sie an der Innenseite weniger aus. Die hochwertige Dämmung ist also der erste Schritt, um das Tauwasser- und Schimmelrisiko zu reduzieren.
  • Energiesparender Wärmeschutz trägt im Winter und im Sommer zur Reduzierung des Heiz- bzw. Kühlenergieverbrauchs bei.
  • Ökonomisch motivierter Wärmeschutz: Ältere Häuser, an denen lange nichts gemacht wurde, sind regelrechte Energiefresser. Ein Großteil der Energie für Raumwärme geht über eine unzureichend gedämmte oder undichte Gebäudehülle verloren. Sanierungsratgeber empfehlen als wichtigste Maßnahme zum dauerhaften Sparen, diese "Wärmelecks" zu stopfen. Oft ist es sinnvoll, energetische Modernisierungen schrittweise umzusetzen und mit ohnehin notwenigen Maßnahmen zu koppeln. Ein qualifizierter Gebäudeenergieberater kann die Bauherren beraten und die Planung unterstützen.
  • Ökologisch motivierter Wärmeschutz: Die Verbesserung der Energieeffizienz ist Voraussetzung für Klimaschutz und Ressourcenschonung. Eine wichtige Grundlage für energieeffiziente Häuser ist eine hervorragende Wärmedämmung. Besser heißt aber nicht automatisch dicker. Statt dicker zu dämmen, können wir heute leistungsfähigere Dämmstoffe verwenden.

Informationen im Internet:

RP-Energie-Lexikon - www.energie-lexikon.info

Baunetzwissen.de - Bauphysik

Baustoffwissen.de - Wärmeschutz

Landesbauordnungen - www.baurecht.de/gesetze.htm

Energieeinsparverordnung (EnEV) - www.enev-online.de

Das Wort zum Montag: U-Wert und R-Wert