Das Wort zum Montag: Thermografie

Fachchinesisch? Nein, Bauphysik!

Bauphysik beschreibt den Austausch von Wärme und Feuchte in Bauteilen und Gebäuden. Da unsere Ansprüche an Feuchteschutz und Wohnhygiene, an nachhaltiges Bauen und behagliches Wohnen gestiegen sind, rückt der Wärmeschutz von Gebäuden immer mehr in den Vordergrund. In unserer Rubrik „Das Wort zum Montag“ nehmen wir bauphysikalische Überlegungen unter die Lupe und erklären wichtige Begriffe.

Heute: Was bedeutet „Thermografie“?

Ein Gebäude verliert die meiste Energie durch seine Gebäudehülle - z. B. durch das Dach, die Außenwände oder die Fenster und Türen. Wenn man nun wissen möchte, wie die energetische Qualität einer Gebäudehülle aussieht, kann man Berechnungen durchführen oder das Gebäude mit einer Thermografie von außen beurteilen. Bei einer Gebäudethermografie erfasst die Wärmebildkamera die Wärmestrahlung eines Gebäudes und stellt sie als sichtbares Bild dar. Diese Bilder bezeichnet man als Thermogramme.

Wärmebrücken sind lokal begrenzte, wärmetechnische Schwachstellen einer Baukonstruktion, durch die mehr Wärme abfließt als durch angrenzende Bauteile. Auf Thermogrammen sind Wärmebrücken (rote und gelbe Farbflächen) gut zu sehen.

Wie funktioniert eine Thermografie?

Alle Gegenstände senden Wärmestrahlung in Form von elektromagnetischen Wellen aus. Hat die Gebäudehülle einen schlechten Wärmeschutz, treten auf der Außenseite höhere Temperaturen auf. Die Thermografiekamera (Wärmebildkamera) erfasst diese Wärmestrahlung und visualisiert sie als farbiges Bild. Den Temperaturen werden Farben zugeordnet, so dass in den Wärmebildern z. B. Schwachstellen eines Bauteils (beispielsweise Undichtigkeiten durch fehlerhaften Einbau von Fenstern) sichtbar werden. Werden beheizte Gebäude von außen thermografiert, weisen helle Farben auf warme, schlecht gedämmte Flächen hin. Dunkle Farben zeigen kalte, gut gedämmte Bereiche.

Bei Außenwänden mit einem Wärmedämmverbundsystem kann mit Hilfe der Thermografie eine fehlerhafte Ausführung ( z. B. Fugen oder Wärmebrücken durch Dübel ) erkannt werden. Ist das Gebäude nicht gedämmt, sind auch schwerwiegendere Mängel sichtbar, wie beispielsweise mangelhaft wärmegedämmte Leitungen des Zentralheizungssystems in Außenwänden oder besonders warme Stellen bei Heizkörpernischen. Vorsicht ist bei hinterlüfteten Bauteilen geboten. Insbesondere dann, wenn deren Oberflächentemperatur kaum von der Außenlufttemperatur abweicht.

Wann sollte eine Thermografie durchgeführt werden?

Idealerweise wird die Thermografie in der Heizperiode (Oktober bis April), entweder vor Sonnenaufgang oder am späten Abend (Außentemperatur unter +5 °C) sowie ohne Sonneneinstrahlung durchgeführt. In dieser Zeit ist der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur groß genug, um Temperaturunterschiede deutlich sichtbar zu machen. Außerdem sollte das Gebäude zuvor normal beheizt werden. Störende Faktoren sind z. B. gekippte Fenster, feuchte Bauteiloberflächen, starke Sonneneinstrahlung tagsüber oder starker Wind.

Was beinhaltet die Dokumentation einer Thermografie?

Zur Dienstleistung der Thermografie gehört auch eine Dokumentation, das bedeutet:

  • eine Erläuterung zu den Messungen, wie Datum, Uhrzeit, untersuchtes Objekt, Wetterbedingungen, verwendete Ausrüstung
  • die genaue Beschreibung der Messergebnisse
  • der Abdruck der Wärmebilder mit verwendeter Farbskala

Anhand der gemessenen Temperaturverläufe können nun der Zustand der Baukonstruktion und die Ursachen für die Wärmeverluste weiter ermittelt und bewertet werden. Sie sind ein Hilfsmittel für sinnvolle Empfehlungen bei der Sanierung.

Wie findet man einen Thermografiedienstleister?

Eine Recherchemöglichkeit bietet der Bundesverband für Angewandte Thermografie e. V. Mitglieder sind Fachhochschulen, Institute, Universitäten, Infrarot- Gerätehersteller und Vertreter der Bauwirtschaft und Industrie.

Informationen im Internet:

Bundesverband für Angewandte Thermografie e. V. - www.vath.de/thermografie/anwendungsgebiete/bau

RP-Energie-Lexikon - www.energie-lexikon.info

thermografie.de - FAQ - www.thermografie.de/faq.htm