Energieeffiziente Gebäudehülle
Geringer U-Wert, bessere Dämmung

Der Winter hat sich breit gemacht und die aufgedrehte Heizung soll für Wohnbehaglichkeit sorgen. Entscheidend für die Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden ist jedoch nicht nur die Raumtemperatur, sondern auch die Temperatur der umgebenden Wände, Böden und Decken. Warum das so ist, weiß jeder, der schon einmal in der Nähe einer schlecht gedämmten, kalten Wand gesessen hat und das Gefühl hatte, dass „es ständig zieht“. Was der bauliche Wärmeschutz mit Wärmedämmung und Wohnbehaglichkeit zu tun hat, erklären wir in diesem Beitrag.

Baulicher Wärmeschutz – was heißt das eigentlich?

Unter dem Begriff „baulicher Wärmeschutz“ versteht man Maßnahmen, die so ausgelegt sind, dass durch die Gebäudehülle - d. h. durch das Dach oder die oberste Geschossdecke, durch Außenwände oder die Kellerdecke - möglichst wenig Wärme verloren geht. Ziel ist ein geringerer Heiz- oder Kühlenergieverbrauch und ein ganzjährig angenehmes Raumklima.

Im Winter soll möglichst wenig Wärme nach außen abfließen, um die Heizenergieverluste gering zu halten. Eine Dämmung sorgt dafür, dass Wandinnenflächen, Decken, Böden und Dachflächen während der Heizperiode warm bleiben und Wärme nach innen abstrahlen. Die Kälte bleibt draußen und die Wärme drinnen.

Im Sommer gilt es, die Räume vor Sommerhitze zu schützen und dafür zu sorgen, dass möglichst wenig Wärme von außen nach innen eindringt. So hält z. B. ein außen liegender Sonnenschutz die direkte Sonneneinstrahlung wirksam ab. Schwere Innenbauteile wie massive Wände und Decken speichern tagsüber die Raumwärme. Durch Lüften während der Nacht, insbesondere in den frühen Morgenstunden, wird die in den Bauteilen gespeicherte Wärme wieder abgeführt.

Neubau und Sanierung: Geringer U-Wert, große Dämmwirkung

Wenn es um die wärmedämmende Eigenschaft der Gebäudehülle geht, ist der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) eine wichtige Größe, die man kennen sollte. Einfache Regel: Je kleiner der U-Wert, desto geringer der Wärmeabfluss durch das Bauteil. Dieser Zusammenhang ist linear – also: halber U-Wert = halbierter Wärmestrom.

Für Neubauten orientieren sich die U-Wert Anforderungen der „EnEV 2016“ an einem Referenzgebäude. Der Wärmeschutz der Bauteile wurde ab 1. Januar 2016 um etwa 20 Prozent verbessert*. Eine Orientierungshilfe bietet folgende Tabelle:

Neubau

Bauteil-Beispiele U-Werte für ein Wohn-Referenzgebäude 
(Innentemperaturen ≥ 19°C) 
mit 20 % besseren Wärmeschutz
Dach (Steildach oder Flachdach) 0,16 W/(m²·K)
Oberste Geschossdecke 0,16 W/(m²·K)
Außenwand 0,22 W/(m²·K)
Fußboden, Kellerdecke, Kellerwände, Bodenplatte 0,28 W/(m²·K)

* Ein Befreiungsantrag kann bei den zuständigen Landesbehörden nach EnEV § 25, Absatz 1 gestellt werden. Weitere Informationen: Befreiung auf Antrag bei Neubauten

Werden Altbauten energetisch saniert (erstmaliger Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen) müssen die U-Wert Anforderungen der EnEV, Anlage 3, Tabelle 1 eingehalten werden*.

Gebäudebestand

Bauteil-Beispiele U-Werte für ein Wohngebäude (Innentemperaturen≥ 19°C)
Dach (Steildach) und Oberste Geschossdecke 0,24 W/(m²·K)
Flachdach (Dachflächen mit Abdichtung) 0,20 W/(m²·K)
Außenwand 0,24 W/(m²·K)
Fußboden, Kellerdecke, Kellerwände, Bodenplatte 0,30 W/(m²·K)

* Es gibt Ausnahmen für kleine Häuser und bei mangelnder Wirtschaftlichkeit. 
Weitere Informationen: Nachrüstpflichten und Ausnahmen

Welche Rolle spielt die Wärmedämmung?

Die Aufgabe der Wärmedämmung ist es, den Wärmefluss einzudämmen und den U-Wert niedrig zu halten. Denn: je besser die Dämmung, je niedriger der U-Wert, desto weniger Wärme fließt durch die Gebäudehülle. Eine gute Dämmung verhindert, dass im Winter Wärme durch Ritzen und Fugen entweicht und Wände und Böden stark abkühlen. Sie sorgt dafür, dass kostbare Heizwärme in den Räumen bleibt. Für Dämmstoffe gilt: Je geringer die Wärmeleitfähigkeit, umso besser die Dämmwirkung.

Auch für Dämmstoffe gibt es einfache Regeln bezüglich der Wärmeleitfähigkeit.

  1. Je weniger ein Dämmstoff die Wärme leitet, desto wirksamer verringert er die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle.
  2. Die Wärmeleitfähigkeit ist die Grundlage für die Einteilung der Dämmstoffe in Wärmeleitfähigkeitsstufen (abgekürzt: WLS). Sie wird als dreistellige Zahl, z. B. WLS 023, angegeben.


    Übrigens: Als Wärmedämmstoffe werden Materialien bezeichnet, deren Wärmeleitfähigkeitsstufe kleiner als WLS 100 ist (entspricht einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit ≤ 0,10 W/(m·K)).
  3. Es gilt: Je niedriger die WLS, desto höher ist der Wärmedurchlasswiderstand des Dämmstoffes und umso besser ist seine Dämmwirkung.
  4. Feuchtigkeit kann die Wärmeleitfähigkeit von Baustoffen stark erhöhen.

Interesse an weiteren Informationen?

PU-News: Was bedeutet eigentlich Wärmeschutz?

EnEV-online: Das Portal mit Informationen zur Energieeinsparverordnung

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