Gastbeitrag

Andreas Kühl, geboren 1970, ist gelernter Elektromechaniker und Bauphysiker. Seit vielen Jahren bloggt er mit großer Leidenschaft über Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibt er einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Dem Thema Energieeffizienz gilt dabei sein besonderes Interesse, sowohl in privaten Haushalten als auch in der Industrie. Aber auch alle Innovationen, die die Energiewende voran bringen können sind von Bedeutung für ihn, genauso wie innovative Finanzierung über Crowdfunding und die jungen Unternehmen, die Startups.


Wohngebäude der Zukunft vereinen guten Dämmstandard und erneuerbare Energien

Bauen verändert sich mehr und mehr. Nach dem das Niedrigenergiehaus im Neubau bereits zum Standard geworden ist, können wir uns bald an neue Gebäudeklassen gewöhnen. Ab dem 01. April 2016 gibt es bei der KfW eine neue Effizienzhaus-Klasse: das Effizienzhaus 40 Plus. Damit kann künftig jeder Bauherr eine Förderung beantragen für ein Haus mit einem sehr geringem Energiebedarf, das auch noch Strom erzeugt und speichert.

Niedrigenergiehaus ist heute Standard im Neubau

Die Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten steigen stetig an. Zu Beginn des Jahres 2016 sind die Anforderungen der EnEV verschärft worden. Der maximal zulässige Primärenergiebedarf ist jetzt 25% geringer und die Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle sind jetzt um 20% höher als in den letzten fünf Jahren.

Ein weiterer Anstieg der Anforderungen ist noch nicht in der Energieeinsparverordnung (EnEV) verankert, aber durch die Vorgaben der EU Gebäuderichtlinie bereits in Sichtweite. Die Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, Directive on Energy Performance of Buildings (EPBD), ist im Jahr 2010 in Kraft getreten und fordert, dass spätestens ab 2021 alle neuen Gebäude im Fast-Nullenergie-Standard gebaut werden müssen. Öffentliche Gebäude müssen diese Anforderung bereits ab dem Jahr 2019 einhalten.

Der Standard für Neubauten liegt seit Jahresbeginn ungefähr auf dem Niveau des KfW Effizienzhaus 70, somit wird die Förderung folgerichtig auch zum 01.04.2016 für diesen Standard eingestellt. Neue Häuser werden damit mit einem Heizwärmebedarf von rund 45 kWh/m²a gebaut - als Maximalwert. Bisher war es jedoch so, dass viele Bauherren bereits freiwillig in einem höheren Standard gebaut haben als gefordert. Im Jahr 2014 gab es laut statistischem Bundesamt ca. 246.000 Baugenehmigungen für Wohngebäude, für den gleichen Zeitraum hat der Monitoringbericht (pdf-Datei) für die Förderprogramme "Energieeffizient Sanieren" und "Energieeffizient Bauen" des Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) 73.000 geförderte Neubauten ermittelt. Das bedeutet, dass knapp 30% der neuen Wohngebäude besser als der Standard gebaut wurden.

Was wird der künftige Gebäudestandard sein?

Wird sich das Interesse an höheren energetischen Gebäudestandards fortsetzen? Demnach wird die Bedeutung des Effizienzhaus 55 und des Effizienzhauses 40 weiter ansteigen. Die KfW erleichtert die Nachweisführung für ein KfW Effizienzhaus 55 durch einen alternativen Nachweis anhand von Referenzwerten. Dieser Nachweis beinhaltet Höchstwerte für den Transmissionswärmeverlust von Außenbauteilen, für Wärmebrücken und einen Nachweis der Luftdichtigkeit der Gebäudehülle, sowie eine zulässige Auswahl der Anlagentechnik.

Das Effizienzhaus 40 war bisher nicht besonders gefragt, darauf entfielen in 2014 nur 3% der geförderten Wohngebäude. Dieses zeichnet sich aus durch einen Jahresprimärenergiebedarf von ca. 30 kWh/m²a und wird als Förderung des Passivhauses betrachtet.

Wird das stromerzeugende Haus der nächste Schritt sein?

Attraktiver könnte das Effizienzhaus 40 mit dem nächsten Schritt werden, das als Effizienzhaus 40 Plus ab April gefördert wird. Neben den Anforderungen an den Primärenergiebedarf und den spezifischen Transmissionswärmeverlust muss auch eine stromerzeugende Anlage eingebaut werden, inklusive Speicher und Visualisierung. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist ebenfalls gefordert, sollte aber bei einem Effizienzhaus 40 ohnehin bereits enthalten sein.

Das heißt, dass diese Häuser ihren Strom überwiegend selbst produzieren, mit einer eigenen Photovoltaikanlage, einem Klein-Windrad oder einem Blockheizkraftwerk. Durch die Speicherung des Stroms kann 70 bis 80% des selbst erzeugten Stroms auch im eigenen Haus verbraucht werden - günstiger als Strom aus dem Netz. Das Ziel ist somit einen großen Teil des verbleibenden Energiebedarfs überwiegend selbst zu decken mit der Anlage am Haus. Eine Anlage zur Visualisierung vom Stromverbrauch und Stromerzeugung soll zusätzlich dazu beitragen, dass die Bewohner immer über den Anteil des selbst erzeugten Stroms informiert sind.

Plus bedeutet jedoch nicht, dass es sich um ein Plusenergiehaus handeln muss, eine positive Energiebilanz über das Jahr hinweg wird von der KfW nicht gefordert.

Das Plus wird das Effizienzhaus 40 attraktiver machen

Das Effizienzhaus 40 Plus ist eine deutliche Aufwertung des bisher wenig genutzten Effizienzhaus 40. Es vereint einen hohen Effizienz-Standard mit der Energieversorgung durch erneuerbare Energien. Durch die eigene Stromerzeugung wird es attraktiver für Bauherren, die neben geringen Heizkosten auch weniger für ihren Strom bezahlen müssen.

Weitere Informationen zu den Themen Baulicher Wärmeschutz und Energieeffizienz: