Nachhaltiges Bauen

Vom Baustoff bis zum Gebäude und seinen Bewohnern

Wer sich mit den Themen Bauen und Sanieren beschäftigt, kommt am Begriff „Nachhaltigkeit“ nicht vorbei. Uns interessiert, wie die Merkmale eines nachhaltigen Gebäudes aussehen und wie es bewertet wird. Welche Rolle spielen Dämmstoffe bei dieser Bewertung? Gibt es auch ein Bewertungsverfahren für Dämmstoffe? Antworten und Denkanstöße zum nachhaltigen Bauen liefert dieser Beitrag.

Woher kommt der „Nachhaltigkeitsgedanke“?

Im 18. Jahrhundert war Holz eine zentrale Ressource. Bäume wurden als Material für Häuser und Schiffe abgeholzt oder zu Brennholz verarbeitet. Es drohte der Kahlschlag. Die zentrale Frage war: Wie lässt sich der Wald nutzen, ohne ihn zu ruinieren? Der Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz übertrug den Gedanken der Nachhaltigkeit auf die Waldwirtschaft. Künftig sollte in einem Wald nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann.

Vom Gedanken zur Entwicklung: Die bekannteste Definition der „Nachhaltigkeit“ für Umwelt und Entwicklung beschreibt der Brundtland-Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ von 1987. Darin heißt es: „Humanity has the ability to make development sustainable - to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs." In der deutschen Version von Volker Hauff lautet die Übersetzung:
Nachhaltig ist eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

Zur Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung gehören laut „Leitfaden Nachhaltiges Bauen“:

  • bis 2020: Reduktion der Treibhausgas-Emission um 40 % und klimaneutrale Bauten
  • bis 2050: Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 80 bis 95 % und Reduktion des Primärenergiebedarfs im Gebäudesektor um 80 %.

Nachhaltiges Bauen

Der Aspekt der Nachhaltigkeit lässt sich auf das Bauen übertragen. Beim nachhaltigen Bauen werden ökologische, ökonomische und soziale Ziele gleichberechtig berücksichtigt und umgesetzt. Gebäude sind keine kurzlebigen Verbrauchsgüter. Sie werden heute gebaut und jahrzehntelang genutzt. Bei der Nachhaltigkeitsbetrachtung wird der gesamte Lebenszyklus des Bauwerks von der Planung bis zum Rückbau (Abbruch) betrachtet.

  • Ressourcen aus der Natur sollen z. B. nur in dem Maß genutzt werden, dass dieses Potenzial auch künftigen Generationen zur Verfügung steht. Das erfordert einen optimierten Einsatz von Baumaterialien und Bauprodukten.
  • Auf ökonomischer Seite spielen die Kosten für Grundstück, Planung und Errichtung des Gebäudes sowie die Nutzungs- und Rückbaukosten eine Rolle.
  • Die soziale und kulturelle Dimension berücksichtigt z. B. die Grundbedürfnisse der Bewohner nach Sicherheit und Nutzbarkeit des Gebäudes oder den soziale Zusammenhalt in einem Quartier. Winterlicher und sommerlicher Wärmeschutz tragen zur Wohnbehaglichkeit bei. Gebäudeentwürfe sind so zu gestalten, dass sie flexibel und in ihrer Gestaltung und Ästhetik akzeptiert sind. Der demographische Wandel muss dabei berücksichtigt werden.

Das Thema „Energie“ spielt bei der nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle. Fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas sind nicht unbegrenzt verfügbar. Außerdem soll die Notwenigkeit, Energie einzusparen, nicht zu einem Wohlstandsverlust führen. Die knappen Energieressourcen werden effizienter genutzt. Die Verbesserung der Energieeffizienz ist auch Voraussetzung für Klimaschutz und Ressourcenschonung. Und eine gedämmte und dichte Gebäudehülle ist Voraussetzung für energieeffiziente Gebäude.

Qualitätsmerkmale nachhaltiger Gebäude

Nachhaltige Gebäude bieten ein angenehmeres Wohn- und Arbeitsumfeld. Verbessertes Raumklima und effizientere Tageslichtnutzung sind ein Produktivitätsfaktor. Zudem senken Abfallvermeidung, weniger Energieverbrauch und der Einsatz von erneuerbaren Energien die Betriebskosten.

Nachhaltigkeitsaspekte sind auch in den Planungsprozess zu integrieren:

  • Beachtung der lokalen Klimabedingungen
  • Effizientes Gebäudemanagement
  • Berücksichtigung der Lebenszykluskosten (Baukosten, Betriebskosten und Rückbaukosten)
  • Effiziente Nutzung von natürlichen Ressourcen, Abfallvermeidung und Flächenschutz
  • Umweltfreundliche Baumaterialien, geringerer Energieeinsatz beim Transport, keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf die Umgebung (z. B. Emissionen, Geräusche, Gerüche)
  • Komfort, Behaglichkeit und Sicherheit für den Bewohner
  • Stadtnähe und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel

Bewertungsverfahren für nachhaltige Gebäude

Zertifizierungssysteme dienen als Instrument zur Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden. Die Bewertungsgrundlage basiert nicht nur auf ökologischen Aspekten, sondern auf einer ganzheitlichen Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes bzw. Stadtquartiers. Darüber hinaus definieren die Systeme Standards für nachhaltige Gebäude und konkrete Leitlinien für Bauherren, Planer und Architekten sowie Produkthersteller. In Deutschland wird das „Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen“ von der DGNB Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen vergeben. Für die ganzheitliche Bewertung von Bundesgebäuden wurde das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) erarbeitet. Weltweit existieren verschiedene Zertifizierungssysteme, mit denen die Nachhaltigkeit eines Gebäudes bewertet werden kann, z. B. LEED in den USA, BREEAM in Großbritannien, HQE in Frankreich oder CASBEE in Japan.

Die Rolle von Wärmedämmstoffen bei der Bewertung eines nachhaltigen Gebäudes

Bauprodukte spielen eine entscheidende Rolle bei der Erfassung der umweltbezogenen Qualität eines Gebäudes. Dabei bilden Wärmedämmstoffe eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Gebäude. Sie reduzieren den Ausstoß von Treibhausgasen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Wie Dämmstoffe auf den Markt gebracht werden, die Angabe der technischen Produkteigenschaften (Leistungserklärung) und ihre Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Hygiene regelt die Bauproduktenverordnung (BauPVO).

Bei der Bewertung eines nachhaltigen Gebäudes wird der gesamte Lebenszyklus des Dämmstoffes betrachtet, von der Herstellung über die Nutzungsphase bis hin zur Nachnutzung oder Entsorgung. Umweltfreundliche Dämmstoffe sind aber keine Garantie für Nachhaltigkeit, denn Dämmstoffe sind keine Endprodukte. Nachhaltigkeit und Energieeffizienz können nur auf Gebäude- und nicht auf Produktebene bewertet werden. Bei Wärmedämmstoffen ist nicht der Inhalt an „grauer Energie“ entscheidend, sondern die Heizenergie, die ein gut gedämmtes Gebäude im Vergleich zu einem energetisch ineffizienten Gebäude weniger verbraucht.

Umwelt-Produktdeklarationen: Bewertungsverfahren für Dämmstoffe

Wärmedämmstoffe sind für sich betrachtet nicht „gut“ oder „schlecht“. Erst am Gebäude entwickelt ein Dämmstoff seine Umweltwirkungen. Zusammen mit anderen Produkten bilden Dämmstoffe ein System, unterliegen Wechselwirkungen, müssen verschiedene Anforderungen erfüllen – deshalb sind Bewertungen und Vergleiche von Bauprodukten auch erst auf Gebäude- oder Bauteilebene sinnvoll. Der geeignete Einsatz des Wärmedämmstoffes im Gebäude ist entscheidend.

In Deutschland bieten Umwelt-Produktdeklarationen (EPD – Environmental Product Declaration) nach ISO 14025 und EN 15804 eine Informationsgrundlage für die Ökobilanz des Bauproduktes und werden deshalb für die Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebäuden eingesetzt. Die Umwelt-Produktdeklaration enthält Informationen zum Treibhauseffekt und zur Ressourcennutzung, wie auch zur Versauerung, Überdüngung, Smogbildung und, wenn relevant, zu spezifischen toxischen Wirkungen auf Menschen und Ökosysteme. Umwelt-Produktdeklarationen für Wärmedämmstoffe werden vom Institut Bauen und Umwelt e. V. (IBU) herausgegeben. Bevor die Umwelt-Produktdeklaration ausgestellt wird, prüft ein unabhängiger Sachverständiger die vorliegende Ökobilanz. Erst wenn die Richtigkeit, Vollständigkeit und Qualität der Informationen durch einen unabhängigen Dritten bestätigt wird, stellt das IBU eine Umwelt-Produktdeklaration aus. Übersicht der EPD für Wärmedämmprodukte

Weitere Informationen

Definition Nachhaltigkeit - www.nachhaltigkeit.info

Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2015 - www.nachhaltigesbauen.de

DGNB Zertifizierungssystem - www.dgnb-system.de

Video des Institut Bauen und Umwelt: Was ist eine EPD

Umwelt-Produktdeklarationen für Dämmprodukte aus PU-Hartschaum:
PU-Dämmplatten mit Mineralvlies-Deckschicht - epd-online.com/PublishedEpd/Detail/7170

PU-Dämmplatten mit 50 µm Aluminium-Deckschicht - epd-online.com/PublishedEpd/Detail/7171
PU-Dämmplatten mit Aluminium-Mehrlagen-Deckschicht - epd-online.com/PublishedEpd/Detail/7172

Ein gutes Gefühl - Heute an die Welt von Morgen denken - www.pu-tut-gut.de