Gesund bauen und wohnen: Warum ist das so wichtig?

Umweltsiegel unterstützen bei der Suche nach emissionsarmen Bauprodukten

Die meiste Zeit halten wir uns in geschlossenen Räumen auf – zum Wohnen, Schlafen, Arbeiten oder in Schul- und Sporträumen. Das gilt für die meisten Menschen in hochindustrialisierten Ländern Europas. Deshalb ist ein gesundes Raumklima wichtig. Dieser Beitrag erklärt, warum Wohnkomfort planbar ist, welche typischen Schadstoffe in Innenräumen vorkommen und welche grundlegende Bedingungen Umweltzeichen erfüllen sollten.

Ein guter Wärmeschutz erhöht die Wohnbehaglichkeit, emissionsarme Dämmstoffe verbessern die Innenraumluftqualität.

Wohnkomfort und Energieeffizienz sind planbar

Nachhaltige Gebäude stehen für ein angenehmeres Wohn- und Arbeitsumfeld. In der Gebäudeplanung müssen dabei nicht nur die Anforderungen an Energieeffizienz erfüllt, sondern auch in Einklang mit einem gesunden Raumklima gebracht werden. Die energieeffiziente Bauweise mit einer luftdichten Gebäudehülle erfordert neben emissionsarmen Baustoffen ein Umdenken im Lüftungsverhalten und technische Lüftungskonzepte, die flexibel geplant werden können.

Ob man sich in einem Raum wohl fühlt, hängt von vielen Faktoren ab, z. B. der Raumlufttemperatur, der Luftbewegung oder der Luftfeuchte. Experten sprechen hier von der „thermischen Behaglichkeit“. Wohnkomfort bedeutet ein angenehmes Raumklima im Winter wie im Sommer. Entscheidend für die Wohnbehaglichkeit ist jedoch nicht nur die Raumtemperatur, sondern auch die Oberflächentemperatur der umgebenden Bauteilflächen.

Eine gute Dämmung verhindert, dass Wände und Böden stark auskühlen. Die Dämmung sorgt dafür, dass im Winter die Bauteilinnenflächen Wärme in den Raum abgeben. Eine lückenlose, wärmebrückenfreie Dämmung verringert Wärmeverluste über Schwachstellen einer Baukonstruktion, über die besonders viel Wärme entweicht. Sie verhindert zuverlässig die Kondenswasserbildung an Wänden, Decken oder Wandecken und bannt somit die Gefahr von Schimmelpilzen. Je besser die Dämmung, umso weniger Wärme dringt auch an heißen Sommertagen von außen nach innen. Eine gute Wärmedämmung erhöht die Wohnbehaglichkeit, emissionsarme Dämmstoffe verbessern die Innenraumluftqualität.

Schadstoffe in Räumen können aus ganz unterschiedlichen Quellen stammen

Die Reaktion auf Schadstoffe ist individuell verschieden und reicht von Reizungen der Augen, der Nase und des Rachens über Kopfschmerzen, Müdigkeit bis zu Konzentrationsschwierigkeiten. Menschen mit Allergien spüren die negativen Folgen von Schadstoffen im Innenraum meist schneller und intensiver.

  1. Wohngift Nummer eins ist Tabakrauch, der eine Vielzahl von sehr schädlichen Stoffen, z. B. Formaldehyd, enthält.
  2. Offene Kamine und Gasöfen belasten bei unvollständiger Verbrennung ebenfalls die Raumluft mit Kohlenmonoxid und Stickoxiden.
  3. Manche Baustoffe, Möbel, Teppiche oder Reinigungsmittel setzen Formaldehyd und leichtflüchtige organische Stoffe (VOC), Fasern oder Stäube frei.
  4. Auch Schimmelpilze, Bakterien und Milben können die Gesundheit der Bewohner beeinträchtigen. Diese Organismen benötigen für ihr Wachstum Feuchtigkeit. Sie gedeihen in feuchter Umgebung besonders gut.
  5. Schadstoffe lagern sich im Hausstaub ab, der sich durch starke Luftbewegungen, die von Heizkörper und Fußbodenheizung verursacht werden, in der Raumluft verteilt. So gelangen die Schadstoffe über die Atemwege in den Organismus.

Ein gesundes Innenraumklima hängt also ganz wesentlich vom Einsatz schadstoffarmer Baustoffe und Inneneinrichtungen ab.

Umweltzeichen für emissionsarme PU-Dämmstoffe und nationale Anforderungen

Bei der Suche nach emissionsarmen Bauprodukten und Dämmstoffen sind Umweltzeichen hilfreich. Vertrauenswürdige Kennzeichen wie z. B. das pure life Siegel, der Blaue Engel oder das natureplus Siegel erfüllen drei grundlegende Bedingungen:

  1. Unabhängige Stellen führen Prüfungen, Kontrollen der Herstellwerke und die Zertifizierung durch.
  2. Die Zertifizierung beinhaltet die Prüfung der werkseigenen Produktionskontrolle und Produktprüfungen.
  3. Nur zertifizierte Produkte dürfen mit dem Umweltzeichen gekennzeichnet werden.

Beispiel: Umweltsiegel pure life

Der Prüfstandard WKI-PS-EPUD-001 für das Umweltsiegel pure life wurde vom Fraunhofer Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) erarbeitet und richtet sich nach dem genormten Prüfverfahren entsprechend DIN CEN/TS 16516. Das Siegel pure life wird von der ÜGPU Überwachungsgemeinschaft Polyurethan-Hartschaum e. V. vergeben.

Dämmprodukte aus Polyurethan-Hartschaum (PU) können mit dem pure life Siegel gekennzeichnet werden, wenn sie aus einem überwachten Herstellwerk stammen und emissionsgeprüft und zertifiziert sind.

Bei der Herstellung von Dämmprodukten mit dem pure life Siegel sind Stoffe ausgeschlossen, die als krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend, fruchtschädigend oder erbgutverändernd eingestuft sind. Halogenhaltige Treibmittel wie HFKW und Flammschutzmittel wie HBCD oder TCEP sind ebenfalls ausgeschlossen. Phthalate als Weichmacher dürfen nicht verwendet werden.

In Deutschland hat das Umweltbundesamt Referenzwerte für die Qualität der Innenraumluft festgelegt, die nicht überschritten werden dürfen. Der Ausschuss für die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten (AgBB) beim Umweltbundesamt hat deshalb ein Verfahren entwickelt, um die Freisetzung flüchtiger Stoffe und Partikel zu messen und die Gesundheitsverträglichkeit von Bauprodukten einheitlich und objektiv zu bewerten. Zertifizierte PU-Dämmstoffe mit dem pure life Siegel erfüllen die Anforderungen des AgBB, sind gesundheitlich unbedenklich und für die Verwendung in Innenräumen uneingeschränkt geeignet.

Weitere Informationen:

Nachhaltiges Bauen: DGNB Blog der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und Informationsportal Nachhaltiges Bauen des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt

Innenraumluftqualität und Gesundheit - www.raumluft.org

Umweltsiegel:

pure life - www.uegpu.de
Blauer Engel - www.blauer-engel.de

natureplus - www.natureplus.org