Sanieren und Energiesparen – Diese Begriffe und Zusammenhänge sollte man kennen!

Keine Frage, die Investition in das eigene Haus lohnt sich, denn Sanieren bringt auf lange Sicht handfeste Vorteile: weniger Heizenergieverbrauch, langfristigen Werterhalt und besseren Wohnkomfort. Wer sein Haus auch als „Altersvorsorge“ sieht, investiert hier sogar nachhaltig. Der günstige Ölpreis hält jedoch nach wie vor viele Hausbesitzer davon ab, sich mit dem Thema energetische Sanierung zu befassen. Mit was muss ich mich beschäftigen, wenn ich eine Sanierung plane, welche Begriffe sind wichtig und wo finde ich nützliche Informationen? Dieser Beitrag enthält eine kleine Begriffssammlung, die das Planen etwas leichter macht. Da wir uns im Blog von PUonline vor allem mit der energetischen Sanierung der Gebäudehülle beschäftigen, lassen wir hier die Begriffe zum Bereich Heiztechnik und Wärmegewinnung außen vor. Unser Tipp: Gute Begriffserläuterungen zum Thema Heizung bietet das Portal Baunetz Wissen.

Schritt 1: Planung und Förderung

EnEV – Energieeinsparverordnung

Die EnEV regelt die Mindestvoraussetzungen für den Wärmeschutz der Gebäudehülle und die energieeffiziente Anlagentechnik sowie ihr Zusammenspiel im Gebäude. Die aktuelle EnEV 2014, bzw. die höheren Anforderungen im Neubau der EnEV ab 2016, erfüllen die europäischen Vorgaben der neuesten EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden von 2010 nur teilweise, weshalb die Verordnung 2018 erneut zu einem Gebäudeenergiegesetz novelliert werden soll. Der Bund muss laut EU-Richtlinie ab 2021 den Niedrigstenergie-Neubau Standard einführen – für öffentliche neu errichtete Gebäude bereits ab 2019. Die EnEV gilt für alle Gebäude, die unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden sowie für deren Anlagentechnik.

Individueller Sanierungsfahrplan
Der individuelle Sanierungsfahrplan ist eine Möglichkeit, die Ergebnisse der Energieberatung verständlich und einheitlich darzustellen. Er kann für eine Schritt-für-Schritt Sanierung, aber auch für die komplette Gesamtsanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern angewendet werden. Er wurde von der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Institut für Energie und Umweltforschung (IFEU) und dem Passivhaus Institut erarbeitet und mit Energieberatern getestet. Ab dem 1. Juli wird der individuelle Sanierungsfahrplan auch als Bafa-Vor-Ort-Beratung anerkannt und gefördert.

Energieberatung
Das Ziel jeder unabhängigen Energieberatung sollte sein, die optimale Sanierungslösung für das Gebäude zu finden und dabei auch die Wünsche und Ziele des Hausbesitzers zu berücksichtigen. Energieberater für Gebäude sind z. B. Bauingenieure, Fachhandwerker oder Architekten, die sich qualifiziert haben, um Bauherren und Gebäudebesitzer beraten zu können, wie der Energiebedarf im Gebäude - z. B. für Heizung, Warmwasser, Lüftung, Kühlung oder Beleuchtung - durch geeignete Maßnahmen effizient reduziert werden kann. Der Beruf des Energieberaters ist allerdings nicht geschützt, was die Suche und Auswahl des Beraters nicht einfach macht. Voraussetzung für eine gute Beratung ist eine qualifizierte, Gewerke übergreifende und geprüfte Ausbildung nach hochwertigen und unabhängigen Standards. Zu einer Energieberatung gehört ein Vorgespräch, die Analyse des Gebäudes vor Ort, der Bericht des Energieberaters mit Informationen über den energetischen Gebäudezustand und Vorschlägen für die Sanierung sowie individuelle Energiesparmaßnahmen. Den Abschluss bildet ein persönliches Gespräch, in dem der Energieberater seine Vorschläge erläutert und den Hausbesitzer bei der Umsetzung der vorgeschlagenen Sanierungsschritte berät.

Energieausweis
Den Energieausweis brauchen alle Eigentümer, die ihr Haus oder ihre Wohnung verkaufen oder vermieten wollen. Es gibt zwei Arten des Energieausweises: den Verbrauchs- und den Bedarfsausweis. Spätestens bei der Besichtigung muss der Ausweis vorliegen oder deutlich sichtbar ausgehängt sein. Der Ausweis informiert über die benötigte Energie in einem Gebäude für Heizung und Warmwasser. Für den Energieausweis gibt es keine direkte staatliche Förderung.

Förderungen der BAFA und der KfW

Wer sich für eine energetische Gebäudesanierung entscheidet, kann vom Staat gefördert werden. Einen guten Überblick bietet z. B. das Portal energiefoerderung.info vom BINE Informationsdienst in Zusammenarbeit mit der dena Deutsche Energie-Agentur: www.energiefoerderung.info


Auch die Energieberatung selbst kann mit staatlicher Förderung finanziert werden. Will der Hausbesitzer Fördergelder beantragen, sind jedoch bestimmte Qualifikationen des Energieberaters erforderlich.


Zuschüsse für die Vor-Ort-Beratung: Die Vor-Ort-Beratung kann sich entweder auf eine Komplettsanierung eines Wohngebäudes zum KfW-Effizienzhaus beziehen oder sie beschreibt einen sogenannten Sanierungsfahrplan, d. h. eine umfassende energetische Sanierung in Schritten mit aufeinander abgestimmten Einzelmaßnahmen (siehe auch: individueller Sanierungsfahrplan). Qualifizierte Energieberater für die Vor-Ort-Beratung sind in der Energieeffizienz-Experten Liste eingetragen.

Zuschuss für Baubegleitung: Hausbesitzer, die eine Fachplanung und qualifizierte Baubegleitung durch einen externen, unabhängigen Sachverständigen durchführen lassen, werden von der KfW gefördert. Der KfW-Zuschuss kann mit der Vor-Ort-Beratung des BAFA kombiniert werden. Informationen der KfW über den Zuschuss für die Baubegleitung und eine Liste der förderfähigen Leistungen.

Schritt 2: Bauphysik – Fakten zur Gebäudehülle

Bauphysik
Bauphysik beschreibt den Austausch von Wärme und Feuchte in Bauteilen und Gebäuden. Da unsere Ansprüche an Feuchteschutz und Wohnhygiene, an nachhaltiges Bauen und behagliches Wohnen gestiegen sind, rückt der Wärmeschutz von Gebäuden immer mehr in den Vordergrund. Im Folgenden erklären wir ein paar wichtige Begriffe aus der Bauphysik, sozusagen als Wegweiser aus dem „Bauphysik-Dschungel“. Und: Recherchieren lohnt sich! Die Begriffe reichen von „A“ wie z. B. das A/V-Verhältnis bis „Z“ wie z. B. der Z-Wert, der heute durch den Fc-Wert ersetzt wird.

Transmissionswärmeverluste
Im Winter haben die Innenräume eines Gebäudes eine höhere Temperatur als die Außenluft oder das Erdreich. Wärme wird durch die Gebäudehülle von innen nach außen geleitet, sozusagen „hinübergeschickt“ oder transmittiert. Die Wärme, die durch die Gebäudehülle abgeleitet wird, bezeichnet man als Transmissionswärmeverlust.

Wärmeleitfähigkeit

Für die Wärmeleitfähigkeit gilt grundsätzlich: Je geringer die Wärmeleitfähigkeit eines Baustoffes, umso besser ist seine Dämmwirkung. Der λ-Wert hat die Maßeinheit W/(m·K) und definiert den Wärmestrom, der bei einem Temperaturunterschied von einem Grad (1 K) stündlich durch ein 1 Meter dickes Bauteil übertragen wird. Für den Wärmeschutznachweis entsprechend EnEV darf nur der Bemessungswert (λB) der Wärmeleitfähigkeit verwendet werden. Der europäische Nennwert (λD) der Wärmeleitfähigkeit erhält in Deutschland einen Zuschlag, der mit Hilfe der Norm DIN 4108-4:2017 berechnet wird.

U-Wert
Je kleiner der U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient), desto geringer der Wärmeabfluss durch das Bauteil. U-Werte für bestehende Gebäude werden z. B. in Anlage 3 der EnEV 2014 aufgeführt. Die Tabelle zeigt die Anforderungen an den maximalen U-Wert beim erstmaligen Einbau, Ersatz und der Erneuerung von Bauteilen.

Wärmebrücken

Wärmebrücken (fälschlicherweise oft auch Kältebrücken genannt) sind örtlich begrenzte Schwachstellen einer Baukonstruktion, durch die mehr Wärme abfließen kann als durch andere, gut gedämmte Flächen. Wärmebrücken bewirken Wärmeverluste, niedrigere Oberflächentemperaturen und verursachen letztendlich einen erhöhten Heizwärmebedarf. Sie können unter Umständen auch zu Bauschäden führen.

Luft- und Winddichtheit

Die Luft- und Winddichtheit der Gebäudehülle vermindert Transmissionswärmeverluste, also den Verlust an Wärmeenergie, die von beheizten Räumen durch Fugen oder undichte Anschlüsse in der Gebäudehülle nach außen geleitet wird und damit "verloren" geht. Außerdem verhindert eine luftdichte Ausführung, dass Feuchtigkeit über Fugen und Lücken in Bauteile diffundiert. Hierzu muss man wissen: Warme Luft kann deutlich mehr Wasser aufnehmen als kältere Luft. Wenn die warme, feuchte Raumluft in kalte Außenbauteile gelangt, kühlt sie ab. Dabei kondensiert ein Teil der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit. Es bildet sich Tauwasser, das in vielen Fällen nicht mehr austrocknen kann. Das Bauteil wird feucht und es entstehen Bauschäden. Übrigens, Wärmedämm-Maßnahmen bewirken nicht automatisch die Luftdichtheit einer Gebäudehülle. Deshalb ist der Ausdruck „Abdichtung durch Wärmedämmung“ technisch gesehen falsch. Und wer jetzt an „atmende“ Häuser denkt, ist auf dem Holzweg. Frischluft wird durch eine Fensterlüftung oder eine Lüftungsanlage, evtl. mit Wärmerückgewinnung, zugeführt. Undichtigkeiten tragen nicht zur notwendigen Belüftung bei.

Thermografie

Wenn man wissen möchte, wie die energetische Qualität einer Gebäudehülle aussieht, kann man Berechnungen durchführen oder das Gebäude mit einer Thermografie von außen beurteilen. Bei einer Gebäudethermografie erfasst die Wärmebildkamera die Wärmestrahlung eines Gebäudes und stellt sie als sichtbares Bild dar. Diese Bilder bezeichnet man als Thermogramme.

Schritt 3: Verhalten nach der Sanierung

Rebound-Effekt

Beim Rebound-Effekt geht es eigentlich um eine Verhaltensanpassung. Beispiel: Moderne Heizungen verbrauchen heute weniger Energie als noch vor zwanzig Jahren. Tendenziell werden moderne Energiedienstleistungen durch Effizienz günstiger und sparsamer. Allerdings neigen wir dann dazu, mehr von dieser Technologie zu konsumieren und erhöhen z. B. die Heiztemperatur, weil es ja nun auf sparsames Verhalten nicht mehr so ankommt. Diese „Verhaltensanpassung“ kann also dazu führen, dass das Energieeinsparpotenzial von Effizienzsteigerungen nur teilweise verwirklicht wird. Ein Ausweg könnte sein, dass der Energieberater vor der Sanierung bereits auf das Thema aufmerksam macht und Hinweise zum richtigen Heizen und Lüften gibt.

Lüften

Heizen und Lüften waren früher Maßnahmen, die die Bewohner „von Hand“ ausführten. Schimmel kam vor, wurde aber nicht als Problem eingestuft. Heute ist Wohnen komfortabel und angenehm: zentrale Heizanlagen, dichte und isolierverglaste Fenster, gedämmte Gebäudehülle und sauberere Luft. „Handarbeit“ von Seiten der Bewohner ist nicht mehr notwendig. Was fehlt, ist eine Art „Gebrauchsanweisung“ für das zeitgemäße Wohnen und ein Verständnis dafür, wie Baukonstruktion, Heizen und Lüften zusammenhängen. Ob die Feuchtigkeit kondensiert oder nicht, hängt von der Temperatur der Außenwandflächen im Raum ab. Dazu muss man Folgendes wissen: Warme Luft kann deutlich mehr Wasser aufnehmen als kältere Luft. Herrscht zwischen Innen und Außen ein großer Temperaturunterschied, wie es z. B. im Winter der Fall ist, kühlt sich die warme, feuchte Raumluft in der Nähe der Wand ab, die relative Luftfeuchte steigt an. Die überschüssige Feuchtigkeit schlägt sich als Kondensat auf der Wandoberfläche nieder. Eine relative Luftfeuchte von 80 % im Bereich der Bauteiloberflächen reicht aus, dass sich Schimmelpilze bilden können. Das Lüftungsverhalten muss der Jahreszeit entsprechend angepasst werden. Im Winter ist die Außenluft kalt und in der Regel trocken und somit ideal für einen Sauerstoffaustausch und das Abführen trockener Heizungsluft. Allerdings sollte nur kurzzeitig gelüftet werden, damit sich aufgeheizte Räume nicht auskühlen. Im Sommer kann man für gründlichen Luftaustausch ohne weiteres auch länger lüften - die Luft sollte jedoch außen trockener sein als innen, und das ist in der Regel nur in frühen Morgenstunden der Fall.