Die aktuellen „Energiesparer“
Effizienzhäuser mit unterschiedlichen Energiestandards - was steckt dahinter?

Vor 15 Jahren war das Niedrigenergiehaus mit einem reduzierten Heizwärmebedarf von rund 70 kWh/(m²·a) noch das vorbildliche Muster für ein Effizienzgebäude. Das bedeutete: In einem Jahr durfte das Gebäude pro Quadratmeter Wohnfläche nicht mehr als 7 Liter Heizöl oder 7 m³ Erdgas verbrauchen. Mittlerweile ist dieser Standard gesetzlich vorgeschrieben. Jedes Haus, für das man eine Baugenehmigung erhält, muss die Mindeststandards der Energieeinsparverordnung (EnEV) erfüllen und ist damit auch automatisch ein Niedrigenergiehaus. Heute müssen Effizienzhäuser jedoch höhere Anforderungen an die Energieeffizienz erfüllen. Die Vielzahl der Begriffe, die die verschiedenen Haustypen und Energiestandards beschreiben, verwirren jedoch. Was steckt hinter dahinter? Wir stellen die 4 aussagekräftigsten Energiestandards für Gebäude vor, nennen die Unterschiede und Fördermöglichen.

KfW-Effizienzhaus

Für das „KfW-Effizienzhaus“ gibt es verschiedene Energiestandards, die die Förderung der KfW regeln. Der Standard wird durch eine Kennzahl - z. B. KfW-Effizienzhaus 55 oder 40 - angegeben. Je kleiner die Kennzahl, desto geringer der Energiebedarf der Immobilie und desto höher die Förderung. Die energetische Qualität der Immobilie wird mit den Referenzgrößen Jahresprimärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust gemessen. Im Neubau fördert die KfW die Effizienzstandards 55, 40 und 40 Plus. So beträgt z. B. bei einem KfW-Effizienzhaus 55 der Jahresprimärenergiebedarf zum Heizen, Lüften und zur Warmwasserbereitung nur 55 Prozent eines vergleichbaren Referenzgebäudes nach EnEV. Der Transmissionswärmeverlust durch die Gebäudehülle darf nur 70 % des zugelassenen Höchstwerts eines gleichartigen Neubaus nach EnEV-Standard betragen. Bei einer energetischen Sanierung fördert die KfW die Standards KfW-Effizienzhaus 55, 70, 85, 100 und 115.

Für denkmalgeschützte Häuser oder Häuser mit besonders erhaltenswerter Bausubstanz gilt der Standard KfW-Effizienzhaus Denkmal.

Weitere Infos:

- KfW-Effizienzhaus im Neubau oder in der Sanierung
- dena Effizienzhaus-Datenbank

Passivhaus

Der Energiestandard eines Passivhauses stellt anspruchsvolle Anforderungen an die Wärmedämmung, die passive Nutzung der Sonnenenergie und die Wärmerückgewinnung aus der Abluft. Passivhäuser werden mit dem Planungstool „Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP)“ berechnet. Dabei spielen z. B. lokale Klimadaten, die Ausrichtung des Gebäudes, die Verschattung der Fenster und auch die exakte Berechnung von Wärmebrücken eine Rolle. Das wichtigste Kriterium: Der Heizwärmebedarf beträgt maximal 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr.

Das Passivhaus wird genauso gefördert wie ein KfW-Effizienzhaus 55 oder 40. Die KfW bezuschusst auch die Zertifizierung/Baubegleitung von Passivhaus-Projekten.

Weitere Infos:

- Passivhaus Institut: Was ist ein Passivhaus?
- IG Passivhaus Broschüre
- Passipedia - Fragen rund um das Thema Passivhaus

Null- und Plusenergiehaus

Das Nullenergiehaus verbraucht nur so viel Energie für Warmwasser, Kühlung oder Heizung, wie es z. B. mithilfe von Photovoltaik produziert. Rechnerisch ergibt sich eine „Null“ in der Energiebilanz. Der Stromverbrauch für Licht, Geräte oder Maschinen wird allerdings bei diesem Standard nicht immer berücksichtigt. Und: Ein Nullenergiehaus funktioniert nicht komplett autark. Während die Solarstromproduktion hauptsächlich im Sommer stattfindet, besteht der Wärmebedarf vor allem im Winter.

Ein Plusenergiehaus produziert z. B. durch eine hocheffiziente Anlagentechnik und eine regenerative Energieversorgung mehr Energie, als seine Bewohner verbrauchen. Die überschüssige Energie kann z. B. zum Aufladen eines Elektroautos genutzt werden. Rechnerisch ergibt sich bei diesem Haustyp ein „Plus“ in der Energiebilanz. Null- und Plusenergiehäuser sind an das allgemeine Stromnetz gekoppelt und nutzen es sozusagen als „virtuellen Energiespeicher“. So kann beispielsweise im Sommer überschüssige Energie in das Netz eingespeist und im Winter dafür Energie aus dem Netz bezogen werden. Die Grenzen der Bilanzierung sind bei beiden Haustypen nicht eindeutig festgelegt.

Null- und Plusenergiehäuser werden von der KfW gefördert. Dazu gehören auch die Förderung erneuerbarer Energien und die Nutzung von stationären Batteriespeichersystemen in Verbindung mit Photovoltaik-Anlagen.

Weitere Infos:

- BMUB Effizienzhaus Plus
- Informations- und Kompetenzzentrum für zukunftsgerechtes Bauen
- Fragen und Antworten zum Effizienzhaus Plus

Sonnenhaus

Gebäude deren Heizenergiebedarf durch mindestens 50 Prozent vor Ort erzeugter und gespeicherter Solarenergie gedeckt wird, definiert das Sonnenhaus-Institut als „Sonnenhaus“. Der Jahresheizwärmebedarf liegt zwischen 25 und 40 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Das Sonnenhaus besitzt einen sehr guten Wärmeschutz, großflächige Solarkollektoren, einen großen Wärmespeicher (z. B. Warmwassertanks) sowie eine Niedertemperaturheizung als Flächenheizung (Wand und Fußboden). Für sonnenarme Wintermonate ist eine Holzheizung vorgesehen, die die Wärmeversorgung sicherstellt. Ziel ist es, den Stromverbrauch für Anlagentechnik und Haushalt zu minimieren.

Sonnenhäuser und Solarthermie Anlagen werden durch die KfW (Programm Energieeffizient Bauen) und das BAFA (Bereich Heizen mit Erneuerbaren Energien) gefördert.

Weitere Infos:

- Kriterien, die den Sonnenhaus-Standard definieren
- Flyer „Das Sonnenhaus
- Baunetz Wissen: Solare Langzeitspeicher